Weihnachtskrippe

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Sven Bach
Bernhard Reil
Elfriede Bidmon
Dieter Rieß

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Unsere Weihnachtskrippe

 

 

Meine Eltern stammen aus  dem Erzgebirge.  Dort hörte man kurz  vor Weihnachten oft die  Frage:  „Hoste dää  dei  Krippl  schie aufgebaut?“  Überall  war  es nämlich der Brauch, um diese Zeit die wohlgehüteten Krippenfigürchen vom Dachboden zu holen und  die Gebäulichkeiten  des heiligen  Landes zu  renovieren, damit  man das Krippl  rechtzeitig  fertig  hatte.  Daran  hielten viele,  die  nach  dem  großen  Krieg ihre Heimat verlassen mussten  gerne fest. Meist waren beim „Kripplbauen“ nämlich die Gedanken  ganz  wo  anders,  und  so  manches  mal  wurde  heimlich  eine Zähre aus den Augen gewischt.

Bei  uns  war  es  immer so,  dass  zunächst  der  Großvater  beauftragt  wurde,  das notwendige  Podest für die Zimmerecke über dem Sofa zusammenzuzimmern.  Der  wohnte  in  einem  kleinen  Dorf  und konnte so  die  paar  Bretter  leichter  besorgen.  Auch  konnte  er  die  Stützen  für unser Krippenpodest  im  Wald,  wo er am liebsten  war, holen.  Er mühte sich dann immer, zwei  besonders  gerade starke Buchenäste zu  finden, damit unsere Krippe nur  ja  nicht  abstürzte.  Meine Mutter  hat  dann  meinen  Vater  und  mich  zum Burgstall  oder  zum  Nagelberg  geschickt,  dort  sollten  wir  schönes  Moos  für  die Schafweiden unserer Krippenlandschaft suchen.  Aber ordentliches Moos sollte das sein,  solches,  das  ganz  kurze  Fasern  hatte,  wie  man  es  an  Bäumen  findet. Das war mit den  klammen  Fingern gar  nicht so leicht abzulösen, denn die Moospolster sollten  auch  möglichst  groß  sein,  damit  man  nicht  zu  sehr  stückeln  musste.  An den  Schlehenhecken  schnitten  wir  nebenbei  kleine  Ästchen  ab, solche,  die vorne dran  weiße  Buschen  hatten.  Die  konnten  wir  gut  a1s  kleine  Bäumchen  gebrauchen.  Auch  Rindenteile  sollten  wir  mitbringen,  denn  daraus  wurde  immer  der ärmliche   Stall   für   die   Heilige   Familie   zusammengefügt,    während    die Herrschaftspaläste schon  früher  mit  der  Laubsäge,  mit  viel  Farbe  und  Kleister hergestellt  worden  waren.

Es war schon  immer  etwas ganz  Besonderes,  wenn  der  Großvater  das  dreieckige Podest in  der  Ecke  über dem  Sofa zurechtgerückt hatte.  Ich  wusste  nämlich, dass wir  dann  mit  dem  Aufbauen  der  Landschaft  beginnen  konnten.  Während  meine Eltern  mit  Zeitungspapier  und  Holzwolle  die  Hügel  modellierten,  durfte  ich  die Lichtlein  für  die  Stalllaterne  und  für  das  Lagerfeuer  der  Hirten  mit  dünnen Drähten  verbinden und  an  die  Batterie  anschließen.  Dabei  musste  ich  natürlich immer mit  der  nachdrücklichen  Mahnung zurechtkommen,  nur  ja nicht zu oft zu probieren,  ob  die  kleinen Glühbirnchen  brannten,  denn  die  große,  viereckige Batterie  sollte  ja  wenigstens  am  Heiligen  Abend  und  über  die  Feiertage  ihren Dienst nicht versagen müssen.

Als es  diesmal  aber  ans  Stallbauen  ging,  hatte  mein  Vater  eine  neue  Idee.  Er wollte einmal  einen  ganz  besonderen  Stall  für  Maria  und  Josef  und  das  Kind  in der Krippe  bauen.  Er  sollte aussehen  wie  eine Höhle.  Dazu  goss  er Gips  über ein Einmachglas und strich mit einem Spatel eine Weile daran herum.  Als er  aber die Höhle abnehmen  wollte, zerbrach  sie ihm  in  viele Teile, denn  der Gips  löste sich nicht recht  von  dem  Einweckglas.  Nun  ja,  ein  Versuch  kann  schon  mal  schief gehen. Als ihm aber auch die zweite und dritte Höhle zerbrach, war er nur noch ganz entfernt  mit  weihnachtlichen  Gedanken  beschäftigt.  Die Mutter  meinte,  ich solle ihm  jetzt besser ein bisschen aus dem  Weg gehen,  wenn ich  nicht riskieren wollte für  eine  Nichtigkeit ein  Kopfstück  zu  erhalten.  Ich  weiß  nicht,  wie  mein Vater diesen Abend beendete, denn ich wurde bald ins Bett verräumt.

Am nächsten  Morgen  jedenfalls  stand die  Gipshöhle als  Stall  mitten  auf  unserem Kippele, mit Wasserfarben aus meinem Malkasten schön  grün  angemalt  und  an  manchen  Stellen  hatte  man  sogar  kleine Moosfetzen  darauf  geklebt.  Später  habe  ich  dann  erfahren,  dass  dies  notwendig war,  damit  man  die  Sprünge,  die  auch  beim  ich  weiß  nicht  wievielten  Versuch wieder auftraten nicht so sehr sehen  konnte.

Am  Abend  bauten  wir  weiter.  Jetzt  konnten  sogar  schon  die  Figürchen  der Hirten  und  der  Schafe,  des  Volkes  von  Bethlehem  und  schließlich  die  ganze Heilige  Familie  ihren  Platz  bekommen.  Die  Heiligen  drei  Könige  wurden  noch  versteckt  gehalten,  denn  die  durften  ja  erst  am  6.  Januar  das  "Krippl" bereichern.  Jetzt  musste  nur  noch  der  kleine  Engel  mit  dem  "Gloria in excelsis deo" - Spruchband zum  Schweben  gebracht  werden.  Der  hatte auf seinem  Rücken eine Öse  und  wurde  immer  freischwebend  von  der  Decke  herab  aufgehängt.  In meiner  Bubenzeit  gab es  aber  noch  keine feinen,  fast  unsichtbaren  Nylonfäden, dafür hatten die Mädchen  noch lange Zöpfe. Deshalb  führte mein Vater  immer ein kurzes Gespräch  mit seiner ausgerechnet  dabei  etwas aufmüpfigen Tochter,  das immer  mit einem  kurzen,  spitzen  Schrei  endete.  Kurz  darauf  drehte  dann  unser Engel friedliche Pirouetten über dem Stall  von Bethlehem.

Einen  Tag  vor  dem  Heiligen  Abend,  aber  auch  ja  nicht  früher,  war  natürlich alles   fertig.  Vor  der  Bescherung  wurden  dann  die  Lichtlein  und  Kerzen angezündet.  Dann  aber,  nachdem  wir  gegessen  und  beim  Singen  das  Wunder von  Bethlehem ausführlich  betrachtet  hatten,  war  der  Platz auf  dem  Sofa unter der  Krippe  für  mich  reserviert.  Da  war  es  ein  bisschen  schummriger  als  im großen Zimmer  und  man konnte glückselig darüber, dass das Christkind wieder auf wundersame Weise Kunde von den geheimsten Herzenswünschen bekommen und diese zum großen Teil sogar erfüllt hatte, der Christmette entgegenträumen.