Die „Marching Band“ der Musikschule Fürth nahm mit fränkischen Liedern im New Orleans-Gewand beim Fürther Erntedank-Umzug teil. Wer es nicht geschafft hatte in der „second line“ mitzutanzen, kann das hier nachholen.
Am 12. Oktober fand an der Fürther Michaeliskirchweih der Erntedankfestzug mit zahlreichen teilnehmenden Vereinen, Gruppen und Musikkapellen statt. Tausende von Menschen säumten den langen Weg durch die Straßenkirchweih – und das Spektakel wurde vom Bayrischen Rundfunk live übertragen. Heuer hatte sich die Musikschule Fürth e. V. anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens mit einer Marching Band beworben. Unser ARGE-Mitglied Karin Mehring ist mitmarschiert.
Schulleiter Robert Wagner hatte im Kollegium den Vorschlag gemacht, das Musikschuljubiläum mit einer Marching Band beim Kirchweihumzug zu feiern. Die Reaktion fiel zunächst vorsichtig aus: Wie soll das gehen, wer soll mitmachen, was sollen wir spielen – Fragen über Fragen. Nachdem sich die ersten Bedenken gelegt hatten, wurde Notenmaterial von bestehenden Marching Bands gesichtet. Vieles war zu unflexibel arrangiert oder zu speziell besetzt. Als man schließlich passende Arrangements im Stile amerikanischer Marching Bands gefunden hatte, stellte sich die Frage, ob man vielleicht nicht doch musikalisch einen stärkeren Bezug zu Franken herstellen wollte. Aber wie? Rockig? Poppig? Im Spielmannszug-Style? Oder doch ein bisschen anders?
Fündig wurde Christoph Müller, Arrangeur und Posaunenlehrer an der Musikschule Fürth, mit „Jingle Bells“ in einem groovigen Arrangement im sogenannten „second line feel“: Polyphone Rhythmen, ein triolisches Gefühl, jede zweite Vier betont und schon geht es beschwingten Schrittes. Der New Orleans-Style, das war es! In New Orleans spielt eine Marching Band auf traditionellen Blaskapellenparaden. Vorneweg – in der „main line“ – laufen die Bläserinnen und Bläser sowie Trommler*innen. Die mitlaufenden und tanzenden Zuschauer*innen bilden die „second line“.
Fränkisch im New Orleans-Style
Das Arrangieren von „Etz sing mer amol des Ding“ machte den Anfang, sechs Lieder sind es insgesamt geworden. Es folgten noch „Bist mei Heinerla“, „Der Bubblmoo“, „Färther Kerwa-Lied“, „Mei Kunnerla“ und „Wo is denn es Gerchla“. Die 5-stimmigen Arrangements sind in bläserfreundlichen Tonarten (B-Dur, F-Dur). Es gibt eine Melodie, eine zweite Stimme, eine Basslinie und zwei Stimmen zur harmonischen Begleitung. Die ursprünglichen Akkorde der gewählten Lieder wurden weitgehend übernommen, zum Teil reharmonisiert. Begleitung und Bass spielen meist Grundton, Terz und Septime. Für den New Orleans-Sound wurde bewusst mit Septime geschrieben. Die Melodien wurden rhythmisch an den New Orleans-Groove angepasst.
Dieses Konzept passt hervorragend zum Leitbild der Musikschule Fürth: „Jeder Mensch kann mitspielen. Niemand muss das ganze Regelwerk der Musik beherrschen, um die eigene Leistung zu genießen.“ Es gibt keine komplett ausarrangierten Noten. Auf einem Din-A-4 Blatt sind 4 Verse, in denen die Melodie durch die Gruppen wandert (Stimme 1+2, Begleitung, Bass, Stimme 1+2). Das ist dann ein Durchlauf. Alle Stimmen sind mit Akkordsymbolen versehen, und es ist deutlich gemacht, wer die Melodie hat und wer die Begleitung. Dadurch wird flexibles Proben möglich. Z.B. kann die Begleitung ausgedünnt werden, oder es können rhythmische Elemente eingefügt werden.
Für den ersten größeren Auftritt zum Jahresabschlusskonzert der Musikschule Fürth wurden drei Proben geplant, davon eine im Südstadtpark, bei der das Paradelaufen geübt wurde. Die erste Probe war bereits mit über 50 Personen (Schüler*innen und Lehrkräfte) besucht. Vertreten waren Saxophon, Posaune, Trompete, Tuba, Euphonium, Klarinette, Flöte, Schlagwerk, Akkordeon, große Trommel, Snare Drum und Caixa. Für die Übungsparade im Freien mussten noch Marschgabeln und verkleinerte, laminierte Noten besorgt werden. Weitere Instrumente wie Gitarre, Ukulele und Steirische hatten sich angekündigt. Auf jeden Fall hatten alle Beteiligten ganz viel Spaß.
(Text: Karin Mehring, Videos: Karin Bümlein, Annette Wagner)